Donnerstag, 10. Juli 2014

10.07. weiter gen Westen

Heute war ich südlich von Tula in Jasnaja Poljana, das ist das Anwesen, auf dem Leo Tolstoi gelebt hat und begraben ist.

Man kann im weitläufigen Park spazieren gehen und das Wohnhaus besichtigen. Wegen des regnerischen Wetters habe ich mich fürs Indoor-Programm entschieden und habe mir das Haus angeschaut.
Es war ein bisschen, als liefe man durch ein altes Schloss: Am Eingang muss man solche Schuh-Überzieher anziehen, und dann geht es einen vorgeschriebenen Weg durch das Gebäude, rechts und links ist alles mit Seilen abgetrennt, und man darf nichts anfassen oder fotografieren. Leider waren alle Erklärungen und Führungen nur auf russisch, und so habe mich aufs Gucken und meine Vorstellungskraft verlassen.
War trotzdem sehr interessant. Ich habe bisher nur Krieg und Frieden und Anna Karenina gelesen, und jetzt habe ich einen Grund mehr, mich auch mit Tolstois anderen Werken noch mal zu beschäftigen.
Obwohl es ein Donnerstag Mittag war, ist das Anwesen gut besucht gewesen. Auf dem großzügigen Parkplatz war ich zwar das einzige ausländische Auto, aber ich habe dort mein erstes russisches Wohnmobil gesehen :)

Tula selbst wäre auch noch einen kurzen Besuch wert gewesen, aber das kleine Stück Stadtverkehr, das ich mitmachen musste, hat mir schon gereicht. Ich hatte dann überhaupt keine Lust mehr, mich bis zum Zentrum durchzuschlagen. Komisch - in Perm und Jekaterinburg hatte ich es gar nicht als unangenehm empfunden, durch die Stadt zu fahren, obwohl ich auch dort ja jeweils im Zentrum war. Samara hingegen und jetzt auch Tula haben mich in dieser Hinsicht eher Nerven gekostet.

Ansonsten war heute nicht viel Besonderes. Ich bin am frühen Abend meinen 6000. Kilometer gefahren.

Ach doch: Ich bin zum ersten Mal von der Polizei kontrolliert worden! Es war aber nicht schlimm - der Polizist war nicht unfreundlich, wollte nur meine Papiere sehen, einmal ins Auto schauen, und nach 2 Minuten konnte ich weiterfahren.
Screenshot vom Dashcam-Film

Allerdings habe ich im Eifer des Gefechts auch meinen dritten guten Vorsatz für Russland nicht eingehalten und mich nicht daran gehalten, "kein Russisch zu können", wie Stefan mir ja geraten hatte. Ich habe mit dem Polizisten auf Russisch radebrecht, und zum Glück war trotzdem alles gut.

Zur Erinnerung die beiden anderen guten Vorsätze, die ich schon am ersten Tag gebrochen hatte:
1. Pingelig an die Verkehrsregeln  und Tempolimits halten.
2. Nicht wild campen.
Allein den 4. Vorsatz, nämlich nicht nachts zu fahren, werde ich wohl halten können.

Nachdem ich schon nachmittags eine ausgiebige Pause und eine große Portion Ravioli hatte, werde ich jetzt sofort schlafen.

Dienstag, 8. Juli 2014

08.07. an der Wolga

Ich will gerade nirgendwo anders auf der Welt sein als hier :) (Und ich meine jetzt nicht Samara.)

Nach einer mittelmäßigen Nacht (ist halt Mist so direkt an der Straße) erwartete mich in Samara deutlich besseres Wetter als gestern. Ich habe mir einen kleinen Kaffee gemacht und bin dann zu einem langen Strandspaziergang aufgebrochen, einmal hin und zurück so weit der Sand reichte.
Noch waren nicht viele Leute unterwegs - hauptsächlich Jogger (keine einzige Frau übrigens) und Rentner, die in der Wolga badeten oder ebenfalls spazieren gingen.
Anschließend habe ich einen weiteren Stadtbummel gemacht, heute aber mit Sonnenschein und Kamera.
 

Als es dann doch ziemlich warm wurde, habe ich mich überwunden und bin in der Wolga baden gegangen. Echt kalt!!
Meine mobile Dusche musste ich ja noch kein einziges Mal benutzen, weil sich irgendwie immer alle zwei, drei Tage eine Gelegenheit ergeben hat - sei es die Campingplatzdusche, Banja, Fluss, Badesee oder nun Wolga.

Den hab ich auch besucht, zugunsten meiner geplagten Füße:

Diese Passage aus dem Reiseführer kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen:
<Hier kommen später Fotos vom Text "Samara hat nicht so schlimmen Verkehr">

Meine Rausfahrt aus Samara hat fast eine Stunde gedauert! Und offensichtlich hab ich das mehrspurige Kreisverkehr-System hier nicht kapiert; ich glaube, ich habe ziemlich vielen Leuten die Vorfahrt genommen und bin zum Glück trotzdem unversehrt in der richtigen Ausfahrt gelandet.

Stau- und baustellenmäßig war alles normal heute auf der M5 (also von beidem reichlich), und ich habe mich schon früh entschlossen, wieder nach einer schönen Übernachtungsstelle Ausschau zu halten. Als ich von der Straße aus große Wasserflächen in der Sonne glänzen sah, bin ich irgendwann einfach nach links abgebogen.

Und was soll ich sagen, ich bin belohnt worden: Ich habe den tollsten Stellplatz, den man sich vorstellen kann. Meine Koordinaten: 53° 14' 42" N, 49° 4' 58" E ... googelt das mal und seid neidisch! :)
Am Steilufer der Wolga stehe ich auf der Wiese direkt am Abhang und blicke aus der Schiebetür auf endloses Wasser.
Links von mir ist ein kleines Datscha-Dorf.
Mariyas Sommerhaus

Als ich gerade angekommen war und noch überlegt habe, ob ich hier wohl stehen bleiben kann, schlich schon neugierig eine Babuschka ums Auto.
Sie heißt Mariya, ihr gehört die Datscha an der nächstliegenden Wegbiegung, und schwupps, saß ich zum Kaffee bei ihr am Küchentisch. Mit Händen und Füßen und Wörterbuch haben wir uns supernett unterhalten und mehr übereinander erfahren als man denken mag.

Ich habe sie vorhin im Gegenzug in mein - extra aufgeräumtes - Auto eingeladen, wo wir meine verbleibende Miniflasche Weißwein geleert haben, und uns an frisch gepflückten Himbeeren und Rosmarin-Knäckebrot (meine Bürokolleginnen wissen Bescheid) gütlich taten.

Das war richtig toll, und ich glaube, sie hat es auch genossen. Sie bekam zwei Anrufe aufs Handy in der Zeit und hat allen brühwarm erzählt, dass sie gerade bei einer Deutschen im Auto sitzt und auf die Wolga blickt und Wein trinkt, und wahrscheinlich haben die Anrufer gedacht, jetzt spinnt Mariya endgültig ;)
Hinter Mariya sieht man übrigens ein Souvenir aus Byngi. Ich habe einen alten Fensterrahmen aus Holz ergattert. Die landen hier haufenweise auf dem Feuerholzstapel, weil die Leute sich moderne Kunststoffenster einbauen. 
Bin froh, dass ich das Teil so im Auto verstauen konnte, auch wenn ich dadurch nun am Fußende nur noch 40cm Bettbreite habe ...

Montag, 7. Juli 2014

07.07. Ankunft in Samara

Bin gut in Samara angekommen. Leichter Regen. Zentraler Parkplatz. Sehe die Wolga aus dem Schiebetürfenster, doch rege befahrene Straße, eigentlich nichts für die Nacht.
Aber wenigstens stehe ich waagerecht. Samara ist nämlich zur Wolga hin ganz schön abfallend, und ich will schließlich nicht so parken müssen:
Oder so:

Oder gar so:

Da würd ich ja aus dem Bett rollen ...

+++++

Hier der heutige Tag in Stichpunken:

Ruhige Nacht, Badestelle für mich allein.

Auto putzen, hat er verdient.
vorher
nachher

Am späten Vormittag los.

Krasse Baustelle.

Unfall, nichts geht mehr.

Hintenrum über den Feldweg.

Steile hohe Böschung, Angst.

Beim 2. Anlauf klappt es.

Weiche Knie.

Noch mehr krasse Baustelle.

Umgekippter LKW.

Samara, Ankunft im Regen.


Platz an der Wolga, an der Straße.

Spazieren. Echt schön hier. Essen im Kipyatok. Viiiel essen, MOPC, KBAC :)

Museum schon zu.

Wahnsinns-Wolga-Sonnenuntergang vom Bett aus, trotz Regen. Feuerfarbener Horizont und tiefschwarze Silhouetten.

Schlafen, Autos donnern vorbei, alles wackelt.