Heute war ein etwas enttäuschender Vormittag. Ich war in Jarzewo (Yartsevo).
Mein Opa war hier 5 Jahre als Kriegsgefangener und hat mitgeholfen, die Straße Moskau-Minsk zu bauen. Diese Zeit hat ihn sehr geprägt - nicht grundsätzlich negativ - , und er hat seine Erlebnisse sehr viel später für uns Enkel aufgeschrieben.
Da ich nun eh in Russland bin, war es kein großer Umweg für mich, auch Jarzewo zu besuchen. Ich hatte im Vorfeld schon viel zu recherchieren versucht, habe Unterlagen vom DRK-Suchdienst bekommen, andere Quellen mit Beschreibungen des Lagers gefunden und im Internet Kontakt zu Leuten aus Jarzewo aufgenommen.
Die Berichte der Kriegsheimkehrer stimmen weitgehend überein: In Jarcewo war ein großes Hauptlager mit tausend oder mehr Insassen. Es war in Bahnhofsnähe, und es gab wohl auch eine größere Brücke über einen Fluss. Die jüngeren Bewohner aus Jarzewo, die ich in Internet kontaktiert hatte, scheinen aber aber nicht zu wissen, dass es das Lager mal in ihrer Stadt gab.
So, nun bin ich heute morgen auf gut Glück nach Jarzewo in der Hoffnung, vielleicht das Museum oder die Stadtverwaltrung zu finden, um dort nachfragen zu können. Die Stadtverwaltung habe ich tatsächlich schnell ausfindig gemacht und bin dort auf super hilfsbereite Mitarbeiter gestoßen. Ich saß sicher eine knappe Stunde da im Büro, während der Mann herumtelefoniert hat. Allerdings kam er dann mit der ernüchternden Nachricht, dass das Lager ja gar nicht in Jarzewo gewesen sei, sondern in Duchowschtschina, und ich solle dort hinfahren und mich ebenfalls an die Stadtverwaltung wenden. Leider fehlten mir jegliche Russischkenntnisse und Nachweise, um mit ihm zu diskutieren und diese Aussage kritisch zu besprechen. Nach alldem, was ich zuvor erfahren hatte, kann ich das nämlich nicht so ganz glauben.
Ich habe mich also artig bedankt und bin gegangen. Nach Duchowschtschina, das 25 km entfernt ist und weitab jeglicher Moskau-Minsk-Trasse, wo es keinen Fluss und keine Eisenbahn gibt, bin ich nicht gefahren.Zwar wäre es kaum ein Umweg, aber ich wäre ständig voller Zweifel, ob ich überhaupt am richtigen Ort bin, selbst wenn mir dort jemand Ruinen eines vermeintlichen Lagers zeigen würde.
Der Frust hallt gerade noch etwas nach, aber ich habe es wenigstens versucht ...
Zu allem Überfluss habe ich heute früh feststellen müssen, dass offenbar mein Kfz-Ladegerät für die Kamera-Akkus nicht (mehr) funzt. Es gibt also ab jetzt nur noch Handyfotos :/
Ich bin nun auf der P133 nördlich von Smolensk (sehr schöne Heide-artige Landschaft auf dem ersten Abschnitt, Abschnitt 2 ist überraschenderweise mautpflichtig und kostet 200 Rubel) und werde wohl gegen Abend schon an der Grenze sein ...
Freitag, 11. Juli 2014
Donnerstag, 10. Juli 2014
10.07. weiter gen Westen
Heute war ich südlich von Tula in Jasnaja Poljana, das ist das Anwesen, auf dem Leo Tolstoi gelebt hat und begraben ist.
Man kann im weitläufigen Park spazieren gehen und das Wohnhaus besichtigen. Wegen des regnerischen Wetters habe ich mich fürs Indoor-Programm entschieden und habe mir das Haus angeschaut.
Es war ein bisschen, als liefe man durch ein altes Schloss: Am Eingang muss man solche Schuh-Überzieher anziehen, und dann geht es einen vorgeschriebenen Weg durch das Gebäude, rechts und links ist alles mit Seilen abgetrennt, und man darf nichts anfassen oder fotografieren. Leider waren alle Erklärungen und Führungen nur auf russisch, und so habe mich aufs Gucken und meine Vorstellungskraft verlassen.
War trotzdem sehr interessant. Ich habe bisher nur Krieg und Frieden und Anna Karenina gelesen, und jetzt habe ich einen Grund mehr, mich auch mit Tolstois anderen Werken noch mal zu beschäftigen.
Obwohl es ein Donnerstag Mittag war, ist das Anwesen gut besucht gewesen. Auf dem großzügigen Parkplatz war ich zwar das einzige ausländische Auto, aber ich habe dort mein erstes russisches Wohnmobil gesehen :)
Tula selbst wäre auch noch einen kurzen Besuch wert gewesen, aber das kleine Stück Stadtverkehr, das ich mitmachen musste, hat mir schon gereicht. Ich hatte dann überhaupt keine Lust mehr, mich bis zum Zentrum durchzuschlagen. Komisch - in Perm und Jekaterinburg hatte ich es gar nicht als unangenehm empfunden, durch die Stadt zu fahren, obwohl ich auch dort ja jeweils im Zentrum war. Samara hingegen und jetzt auch Tula haben mich in dieser Hinsicht eher Nerven gekostet.
Ansonsten war heute nicht viel Besonderes. Ich bin am frühen Abend meinen 6000. Kilometer gefahren.
Ach doch: Ich bin zum ersten Mal von der Polizei kontrolliert worden! Es war aber nicht schlimm - der Polizist war nicht unfreundlich, wollte nur meine Papiere sehen, einmal ins Auto schauen, und nach 2 Minuten konnte ich weiterfahren.
Allerdings habe ich im Eifer des Gefechts auch meinen dritten guten Vorsatz für Russland nicht eingehalten und mich nicht daran gehalten, "kein Russisch zu können", wie Stefan mir ja geraten hatte. Ich habe mit dem Polizisten auf Russisch radebrecht, und zum Glück war trotzdem alles gut.
Zur Erinnerung die beiden anderen guten Vorsätze, die ich schon am ersten Tag gebrochen hatte:
1. Pingelig an die Verkehrsregeln und Tempolimits halten.
2. Nicht wild campen.
Allein den 4. Vorsatz, nämlich nicht nachts zu fahren, werde ich wohl halten können.
Nachdem ich schon nachmittags eine ausgiebige Pause und eine große Portion Ravioli hatte, werde ich jetzt sofort schlafen.
Man kann im weitläufigen Park spazieren gehen und das Wohnhaus besichtigen. Wegen des regnerischen Wetters habe ich mich fürs Indoor-Programm entschieden und habe mir das Haus angeschaut.
Es war ein bisschen, als liefe man durch ein altes Schloss: Am Eingang muss man solche Schuh-Überzieher anziehen, und dann geht es einen vorgeschriebenen Weg durch das Gebäude, rechts und links ist alles mit Seilen abgetrennt, und man darf nichts anfassen oder fotografieren. Leider waren alle Erklärungen und Führungen nur auf russisch, und so habe mich aufs Gucken und meine Vorstellungskraft verlassen.
War trotzdem sehr interessant. Ich habe bisher nur Krieg und Frieden und Anna Karenina gelesen, und jetzt habe ich einen Grund mehr, mich auch mit Tolstois anderen Werken noch mal zu beschäftigen.
Obwohl es ein Donnerstag Mittag war, ist das Anwesen gut besucht gewesen. Auf dem großzügigen Parkplatz war ich zwar das einzige ausländische Auto, aber ich habe dort mein erstes russisches Wohnmobil gesehen :)
Tula selbst wäre auch noch einen kurzen Besuch wert gewesen, aber das kleine Stück Stadtverkehr, das ich mitmachen musste, hat mir schon gereicht. Ich hatte dann überhaupt keine Lust mehr, mich bis zum Zentrum durchzuschlagen. Komisch - in Perm und Jekaterinburg hatte ich es gar nicht als unangenehm empfunden, durch die Stadt zu fahren, obwohl ich auch dort ja jeweils im Zentrum war. Samara hingegen und jetzt auch Tula haben mich in dieser Hinsicht eher Nerven gekostet.
Ansonsten war heute nicht viel Besonderes. Ich bin am frühen Abend meinen 6000. Kilometer gefahren.
Ach doch: Ich bin zum ersten Mal von der Polizei kontrolliert worden! Es war aber nicht schlimm - der Polizist war nicht unfreundlich, wollte nur meine Papiere sehen, einmal ins Auto schauen, und nach 2 Minuten konnte ich weiterfahren.
| Screenshot vom Dashcam-Film |
Allerdings habe ich im Eifer des Gefechts auch meinen dritten guten Vorsatz für Russland nicht eingehalten und mich nicht daran gehalten, "kein Russisch zu können", wie Stefan mir ja geraten hatte. Ich habe mit dem Polizisten auf Russisch radebrecht, und zum Glück war trotzdem alles gut.
Zur Erinnerung die beiden anderen guten Vorsätze, die ich schon am ersten Tag gebrochen hatte:
1. Pingelig an die Verkehrsregeln und Tempolimits halten.
2. Nicht wild campen.
Allein den 4. Vorsatz, nämlich nicht nachts zu fahren, werde ich wohl halten können.
Nachdem ich schon nachmittags eine ausgiebige Pause und eine große Portion Ravioli hatte, werde ich jetzt sofort schlafen.
Dienstag, 8. Juli 2014
08.07. an der Wolga
Ich will gerade nirgendwo anders auf der Welt sein als hier :) (Und ich meine jetzt nicht Samara.)
Nach einer mittelmäßigen Nacht (ist halt Mist so direkt an der Straße) erwartete mich in Samara deutlich besseres Wetter als gestern. Ich habe mir einen kleinen Kaffee gemacht und bin dann zu einem langen Strandspaziergang aufgebrochen, einmal hin und zurück so weit der Sand reichte.
Noch waren nicht viele Leute unterwegs - hauptsächlich Jogger (keine einzige Frau übrigens) und Rentner, die in der Wolga badeten oder ebenfalls spazieren gingen.
Anschließend habe ich einen weiteren Stadtbummel gemacht, heute aber mit Sonnenschein und Kamera.
Als es dann doch ziemlich warm wurde, habe ich mich überwunden und bin in der Wolga baden gegangen. Echt kalt!!
Meine mobile Dusche musste ich ja noch kein einziges Mal benutzen, weil sich irgendwie immer alle zwei, drei Tage eine Gelegenheit ergeben hat - sei es die Campingplatzdusche, Banja, Fluss, Badesee oder nun Wolga.
Den hab ich auch besucht, zugunsten meiner geplagten Füße:
Diese Passage aus dem Reiseführer kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen:
<Hier kommen später Fotos vom Text "Samara hat nicht so schlimmen Verkehr">
Meine Rausfahrt aus Samara hat fast eine Stunde gedauert! Und offensichtlich hab ich das mehrspurige Kreisverkehr-System hier nicht kapiert; ich glaube, ich habe ziemlich vielen Leuten die Vorfahrt genommen und bin zum Glück trotzdem unversehrt in der richtigen Ausfahrt gelandet.
Stau- und baustellenmäßig war alles normal heute auf der M5 (also von beidem reichlich), und ich habe mich schon früh entschlossen, wieder nach einer schönen Übernachtungsstelle Ausschau zu halten. Als ich von der Straße aus große Wasserflächen in der Sonne glänzen sah, bin ich irgendwann einfach nach links abgebogen.
Und was soll ich sagen, ich bin belohnt worden: Ich habe den tollsten Stellplatz, den man sich vorstellen kann. Meine Koordinaten: 53° 14' 42" N, 49° 4' 58" E ... googelt das mal und seid neidisch! :)
Am Steilufer der Wolga stehe ich auf der Wiese direkt am Abhang und blicke aus der Schiebetür auf endloses Wasser.
Links von mir ist ein kleines Datscha-Dorf.
Als ich gerade angekommen war und noch überlegt habe, ob ich hier wohl stehen bleiben kann, schlich schon neugierig eine Babuschka ums Auto.
Sie heißt Mariya, ihr gehört die Datscha an der nächstliegenden Wegbiegung, und schwupps, saß ich zum Kaffee bei ihr am Küchentisch. Mit Händen und Füßen und Wörterbuch haben wir uns supernett unterhalten und mehr übereinander erfahren als man denken mag.
Ich habe sie vorhin im Gegenzug in mein - extra aufgeräumtes - Auto eingeladen, wo wir meine verbleibende Miniflasche Weißwein geleert haben, und uns an frisch gepflückten Himbeeren und Rosmarin-Knäckebrot (meine Bürokolleginnen wissen Bescheid) gütlich taten.
Das war richtig toll, und ich glaube, sie hat es auch genossen. Sie bekam zwei Anrufe aufs Handy in der Zeit und hat allen brühwarm erzählt, dass sie gerade bei einer Deutschen im Auto sitzt und auf die Wolga blickt und Wein trinkt, und wahrscheinlich haben die Anrufer gedacht, jetzt spinnt Mariya endgültig ;)
Nach einer mittelmäßigen Nacht (ist halt Mist so direkt an der Straße) erwartete mich in Samara deutlich besseres Wetter als gestern. Ich habe mir einen kleinen Kaffee gemacht und bin dann zu einem langen Strandspaziergang aufgebrochen, einmal hin und zurück so weit der Sand reichte.
Noch waren nicht viele Leute unterwegs - hauptsächlich Jogger (keine einzige Frau übrigens) und Rentner, die in der Wolga badeten oder ebenfalls spazieren gingen.
Anschließend habe ich einen weiteren Stadtbummel gemacht, heute aber mit Sonnenschein und Kamera.
Als es dann doch ziemlich warm wurde, habe ich mich überwunden und bin in der Wolga baden gegangen. Echt kalt!!
Meine mobile Dusche musste ich ja noch kein einziges Mal benutzen, weil sich irgendwie immer alle zwei, drei Tage eine Gelegenheit ergeben hat - sei es die Campingplatzdusche, Banja, Fluss, Badesee oder nun Wolga.
Den hab ich auch besucht, zugunsten meiner geplagten Füße:
Diese Passage aus dem Reiseführer kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen:
<Hier kommen später Fotos vom Text "Samara hat nicht so schlimmen Verkehr">
Meine Rausfahrt aus Samara hat fast eine Stunde gedauert! Und offensichtlich hab ich das mehrspurige Kreisverkehr-System hier nicht kapiert; ich glaube, ich habe ziemlich vielen Leuten die Vorfahrt genommen und bin zum Glück trotzdem unversehrt in der richtigen Ausfahrt gelandet.
Stau- und baustellenmäßig war alles normal heute auf der M5 (also von beidem reichlich), und ich habe mich schon früh entschlossen, wieder nach einer schönen Übernachtungsstelle Ausschau zu halten. Als ich von der Straße aus große Wasserflächen in der Sonne glänzen sah, bin ich irgendwann einfach nach links abgebogen.
Und was soll ich sagen, ich bin belohnt worden: Ich habe den tollsten Stellplatz, den man sich vorstellen kann. Meine Koordinaten: 53° 14' 42" N, 49° 4' 58" E ... googelt das mal und seid neidisch! :)
Am Steilufer der Wolga stehe ich auf der Wiese direkt am Abhang und blicke aus der Schiebetür auf endloses Wasser.
Links von mir ist ein kleines Datscha-Dorf.
| Mariyas Sommerhaus |
Als ich gerade angekommen war und noch überlegt habe, ob ich hier wohl stehen bleiben kann, schlich schon neugierig eine Babuschka ums Auto.
Sie heißt Mariya, ihr gehört die Datscha an der nächstliegenden Wegbiegung, und schwupps, saß ich zum Kaffee bei ihr am Küchentisch. Mit Händen und Füßen und Wörterbuch haben wir uns supernett unterhalten und mehr übereinander erfahren als man denken mag.
Ich habe sie vorhin im Gegenzug in mein - extra aufgeräumtes - Auto eingeladen, wo wir meine verbleibende Miniflasche Weißwein geleert haben, und uns an frisch gepflückten Himbeeren und Rosmarin-Knäckebrot (meine Bürokolleginnen wissen Bescheid) gütlich taten.
Das war richtig toll, und ich glaube, sie hat es auch genossen. Sie bekam zwei Anrufe aufs Handy in der Zeit und hat allen brühwarm erzählt, dass sie gerade bei einer Deutschen im Auto sitzt und auf die Wolga blickt und Wein trinkt, und wahrscheinlich haben die Anrufer gedacht, jetzt spinnt Mariya endgültig ;)
Hinter Mariya sieht man übrigens ein Souvenir aus Byngi. Ich habe einen alten Fensterrahmen aus Holz ergattert. Die landen hier haufenweise auf dem Feuerholzstapel, weil die Leute sich moderne Kunststoffenster einbauen.
Bin froh, dass ich das Teil so im Auto verstauen konnte, auch wenn ich dadurch nun am Fußende nur noch 40cm Bettbreite habe ...
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