Freitag, 4. Juli 2014

04.07. gut zu tun in Byngi

Heute haben wir die Jurte zuende gebaut:
Mit Hilfe von Andrej konnten wir die schweren Kamelhaarmatten an den Seitenwänden befestigen und übers Dach ziehen.

Darüber kam noch ein dicker Leinenstoff.

Zuletzt wurde eine einteilige Außenhaut über die Jurte gezogen.
Sieht einfach aus, hat aber einen halben Tag gedauert und war sehr anstrengend. Bei jedem Ruckeln an der Jurte kam wieder das halbe Dachgerüst herunter. Von diesem Geräusch herunterpolternder Holzstangen werde ich heute nacht sicher träumen ...

Schweiß und Kamelhaarstaub haben wir dann im Fluss hinterm Garten weggebadet.

Abends sind Jana und ich, wie schon gestern, mit dem Nachbarshund Barbos spazieren gegangen.
Leider lebt er sonst nur als Hofhund an der Kette, und er hat sich riesig gefreut, alles zu beschnuppern, durch die Wiesen zu streifen und ins Wasser springen zu können.
Er ist trotz seines tristen Alltags ein fröhlicher, entspannter und gutmütiger Geselle; andere Hunde lassen ihn kalt, man kann ihn anfassen, gut führen und mit so wenig so glücklich machen ...
Ich hoffe für ihn, dass Jana auch in den nächsten Wochen die Zeit findet, regelmäßig mit ihm rauszugehen!

Mittwoch, 2. Juli 2014

02.07. Jurte aufbauen

Sommerwetter!

Wir nutzen es dazu, das Gerüst der dritten Jurte aufzubauen.
Olga und Stefan bringen ihre Gäste nämlich z.T. in gemütlich eingerichteten mongolischen Jurten unter, die im Winter abgebaut gelagert werden und zum Saisonstart wieder im Garten auf ihre Holzpodeste gestellt werden.
Zwei Jurten stehen schon.
Innen gibt es ein Doppelbett mit Moskitonetz, Sofa, Kommode, Teppich.
Toilette und Waschgelegenheit sind nebenan in einer kleinen Holzhütte.

Eine dritte Jurte muss nun aufgebaut werden, damit die kommenden Wochenend-Gäste genügend Schlafplätze haben werden.

Alles war über den Winter im Holzhäuschen (das eigentlich das Klo ist) verstaut.
Leider ist das Dach der Hütte nicht ganz dicht, sodass wir die ganzen Sachen erst mal zum Trocknen ausbreiten müssen.

Das Jurtengerüst besteht aus Holz: Ein zentrales rundes Deckenteil mit zwei seitlichen Trägern, knapp 70 "Dachspanten", 4 Seitenwände nach Jägerzaunmanier (Ziehharmonikaprinzip), vorn die Tür, und man braucht viele Schnüre. Wir haben nach der langen Lagerung erst mal alle Holzteile saubergewischt.

Die Jurte ist ja darauf ausgelegt, ein Nomadenleben mitzumachen; sie muss daher schnell auf- und abzubauen sein. Es wird also nichts geklebt, geschraubt oder genagelt, sondern alles nur gesteckt und verschnürt.

Zuerst haben wir die beiden mittleren Träger an das runde Deckenteil gebunden.
Dann haben wir die Seitenwände und die Tür zu einem geschlossenen Kreis gesteckt und verbunden.
Anschließend mussten die über 60 Stangen als "Dachstuhl" mit dem einen Ende in die seitlichen Löcher des Deckenteils gesteckt werden und mit dem anderen Ende oben auf den "Jägerzaun" gelegt/ festgebunden werden.
Das hört sich jetzt alles leichter an als es ist. Oft war es so, dass man eine Stange hingefummelt hat und gleichzeitig fielen am anderen Ende fünf Stangen wieder herunter. Man muss abzählen, fixieren, nachjustieren, verknoten, seinen Kopf schützen, drei Dinge gleichzeitig festhalten und oft auch gammliges Material (Baumwollschnur) mal eben schnell ersetzen. Und nebenbei auch noch alle wichtigen Arbeitsschritte fotografieren ;)

Eine Mongolenfamilie schafft das alles angeblich in einer Stunde - bei uns hat es viiiiel länger gedauert. Wir hatten aber auch großen Spaß und waren am Ende sehr stolz auf das Ergebnis.

Jetzt bloß nichts mehr anfassen!

Über das Dach und an die Seitenwände werden später noch Kamelhaardecken geschnürt, und das Ganze wird mit einem großen Überwurf versehen. Das heben wir uns aber für einen anderen Tag auf ...

Dienstag, 1. Juli 2014

01.07. Wasser holen

Im Haus von Olga und Stefan gibt es kein richtiges fließendes Wasser. Es existiert zwar eine Versorgung aus dem Grundwasser aus 30m Tiefe, aber das Wasser ist so eisenhaltig, dass es zum Verzehr nicht taugt (ist nicht giftig, aber riecht und schmeckt schrecklich). Man nimmt es also nur als Brauchwasser, und sogar das Waschen heller Kleidung ist problematisch, weil die sich verfärbt.

Trinkwasser holen wir aus dem Brunnen von der anderen Straßenseite.
Mit leeren Eimern und Tanks und Sackkarre bewaffnet marschiert man rüber, schiebt die Brunnenabdeckung zur Seite und lässt den leeren angeketteten Metalleimer hinab.
Mit dem Tuch kann man die Winde abbremsen, wenn der Eimer runterrasselt.
Den vollen Eimer holt man mit der Kurbelwinde wieder herauf.
Mit dem Wasser füllt man dann seine mitgebrachten Behälter ...
... und schleppt sie nachhause.

Das ist ja sowieso in vielen Gegenden der Welt ganz normaler Alltag, und da ist der Brunnen nicht gegenüber, sondern kilometerweit entfernt.
Uns in Deutschland geht es echt gut.

Waschen kann man sich in der Banja, das ist ein Sauna-ähnliches Nebengebäude mit gemütlichem Vorraum.

Durch das Ofenfeuer werden Steine erhitzt, die den Banja-Raum erwärmen. Neben den Steinen hängt ein metallenes Gefäß mit Wasser, das dadurch ebenfalls heiß wird.

Man nimmt sich eine gelbe Waschwanne und mischt darin heißes Wasser mit kaltem Wasser aus der Tonne. Mit der kleinen hellblauen Stielwanne schöpft man dann das Wasser über sich. Es läuft durch die Dielen in den Untergrund ab. So duschen wir hier :)


Neben einem einzigen echten Porzellanklo gibt es hier auch die (ebenso hygienische) Plumpsklo-Variante.

In einem Podest ist ein Ausschnitt incl. Klobrille, und alles fällt in eine geruchsfreie Fäkaliengrube, die in bestimmten Abständen geleert wird.
Klopapier soll da aber nicht hinein, sondern wird separat über den Mülleimer entsorgt.
Händewaschen aus dem Kanister, da fühl ich mich gleich wie zuhause im Bus ;)